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Triathlontraining im Paradies

Phuket/Thailand Januar / Februar 2019

In Vorbereitung auf die nächste Triathlon Langdistanz wollten wir (Heidrun und Friedrich May) schon früh im Jahr ein erstes Trainingslager absolvieren. Um im Januar/Februar ausreichend Radkilometer fahren zu können, muss man dafür in wärmere Gefilde reisen, das bedeutet entweder Kanarische Inseln oder eine Fernreise. Wir entschlossen uns dazu eine neue Trainingsdestination auszuprobieren und unsere Wahl fiel auf das, in Triathlonkreisen inzwischen immer wieder gelobte, Sporthotel Thanyapura auf der Halbinsel Phuket in Thailand.

Da sich das Klima dort deutlich von unserem Winterwetter unterscheidet und wir mit einer längeren körperlichen Umstellung rechnen müssen, entschlossen wir uns nicht direkt nach Phuket zu fliegen, sondern uns auf einer ca. einwöchigen Anreise zu Akklimatisieren. Außerdem konnten wir so auch noch etwas von Thailand sehen und uns mit der Kultur vertraut machen. So reisten wir über Bangkok mit dem Mietwagen bis nach Phuket.

Im Hotel Thanyapura angekommen, hatten wir uns schon recht gut an die immer gleichbleibenden ca. 32 Grad mit sehr hoher 70% Luftfeuchtigkeit gewöhnt. Auch mit dem Verkehr hatten wir uns bis dahin schon ausreichend auseinandergesetzt und zu der Erkenntnis gekommen:

1. Es gibt Regeln (irgendwie) aber keiner hält sich wirklich daran

2. Es gilt das Recht des Stärkeren – als Radfahrer ist man dabei ziemlich weit unten in der Hierarchie

3. Man muss immer und ständig mit ALLEM rechnen: Roller überall, Fahrzeuge fahren im Gegenverkehr (auch auf der Autobahn können einem auf dem Seitenstreifen Fahrzeuge entgegen kommen), der Blinker wird selten genutzt, auf der Beschleunigungsspur wird angehalten, um abzubiegen, die Fahrbahndecke hat Risse oder andere Hindernisse, Sand auf der Fahrbahn, es wird in dritter Reihe angehalten, Hunde, die träge auf der Fahrbahn liegen und meistens zum Glück nur Desinteresse entgegen bringen, Hühner oder Kühe auf oder neben der Fahrbahn, etc.

4. wie schnell man gerade mit dem Auto fahren darf weiß man nie so genau

5. an der Ampel: bei grün nicht sofort losfahren, erst abwarten ob wirklich niemand mehr quert. Grüne Abbiegepfeile haben in der Regel so gut wie keine Bedeutung, da trotzdem alle durcheinander fahren. Auch bei Rot wird auf dem Seitenstreifen weitergefahren oder links abgebogen

Da es sich nicht immer vermeiden lässt auch größere Straßen zu befahren (es gibt keinerlei Beschränkungen für Fahrräder, selbst Autobahnen dürfen und werden mit dem Fahrrad befahren), ist es durchaus sinnvoll diese „Regeln“ zu beherzigen. Oberste Regel dabei: nie einfach einem Hindernis ausweichen – immer unbedingt rückversichern, dass man nicht gerade im Millimeterabstand von Roller, Auto oder Lastwagen überholt wird.

Das Hotel Thanyapura ist an einen sehr großen Sportkomplex angegliedert und recht komfortabel. Das Personal ist (wie eigentlich überall in Thailand) sehr zuvorkommend und freundlich („Land des Lächelns“ kann man wörtlich nehmen).
Es gibt zwei Flügel, einmal den Pool-Wing (zweistöckig mit einem 25m Pool im Innenbereich) und dem Garden-Wing (einstöckig, sehr schön mit viel Gartenanlagen und ruhig). Es ist direkt an den Rand eines Nationalparks gebaut und üppig mit tropischen Pflanzen dekoriert. Dadurch ist es zwar etwas abseits der Strände und dem Tourismus, dafür aber eine wunderbare Oase.
Eine gute Einrichtung ist die Trinkwasserversorgung: Jeder bekommt eine kleine Thermoskanne, die er an vielen Wasserstationen im gesamten Areal auffüllen kann. Zur Auswahl stehen verschieden Wassersorten. Wir haben uns immer mit alkalischem Wasser versorgt, das eher basisch ist und viele Mineralien beinhaltet. Außerdem schmeckte es gut und hat einen ganz leichten Limettengeschmack.
Über eine kleine Brücke gelangt man zum Sportbereich:
Ein Schwimmstadion mit 8x50m Schwimmbahnen und 8x25m Schwimmbahnen, wir hatten dabei eigentlich nie ein Problem in der Mittagszeit eine freie 50m Bahn zu bekommen. Der 50m Bereich ist auf ca. 29 Grad heruntergekühlt, die anderen 25m Bahnen sind etwas wärmer.
Es gibt zwei große Fitnessstudios mit ausreichend Kraft- und Kardiogeräten. Sauna mit Eisbecken, Kursräume für das reichhaltige Kursangebot, Spinningraum, Chiropraktiker, Physiotherapeut, Radverleih mit Gruppenfahrten im Angebot, eine 500m Tartanbahn und noch etliche andere Einrichtungen für diverse Sportarten.

Wir hatten uns schon vorher Räder angemietet und konnten sie auch bereits am Ankunftstag übernehmen, so dass wir am ersten Trainingstag sofort starten konnten. Die Räder haben eine gute Qualität (Cannondale mit Ultegra), wir haben uns damit sehr wohl gefühlt und hatten dank der Ultremo-Bereifung auch keinen Platten.
Die erste Ausfahrt machten wir mit der Gruppe. Angekündigt war ein 40km Recovery Ride, am Ende standen 53km auf dem Tacho mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 27km/h. Für mich definitiv keine entspannte Tour. Nach einem weiteren Versuch mit einer Gruppe zu fahren (27,2 km/h) entschloss ich mich alleine zu fahren, um für mich sinnvolle Trainingseinheiten machen zu können. Friedrich ist ohnehin alleine unterwegs, da er länger als die angebotenen Ausfahrten fahren möchte. Alleine Radfahren ist aber auch überhaupt kein Problem. Sofern man versucht größere Straßen zu meiden (der Verkehr ist dort höllisch) und auch bereit ist einige Strecken öfter zu fahren hat man ein wirklich schönes Radfahr-Erlebnis. Fahrten durch schönste Tropen und üppige Vegetation. Die Straßen sind allgemein in gutem Zustand, man muss allerdings auch damit rechnen, dass hinter der nächsten Kurve der Zustand ganz anders sein kann. Auch ist mit giftigen, steilen Anstiegen zu rechnen, die aber meistens nicht besonders lang sind, so dass man es kurz vor der Ohnmacht wieder rollen lassen kann.
Die Herzfrequenz ist durchgehend, bedingt durch die klimatischen Bedingungen, höher als zu Hause (ich habe beim Bergauffahren einen neuen maximalen Herzfrequenzrekord aufgestellt!) und die Durchschnittsgeschwindigkeit dementsprechend generell etwas langsamer als gewohnt.

Obwohl das Radtraining morgens schon früh startet (7:30 – 8:00), um wenigstens etwas Morgenkühle zu nutzen, ist das Schwitzen wie in der Sauna allgegenwärtig, deshalb heißt es trinken, trinken, trinken. Da man eigentlich nicht ausreichend Wasser dabeihaben kann, ist es erfreulich, dass man immer wieder auf 7eleven-Läden stößt, in denen man nicht nur kühle Cola und Wasser bekommen kann, sondern auch die ein oder andere körperliche Abkühlung im wohlklimatisierten Verkaufsraum.

Alleine ist man beim Radfahren selten, da Thailand durchweg stark durchsiedelt ist und alle unterwegs zu sein scheinen. Falls unterwegs etwas passieren sollte, kann man ziemlich sicher mit der Hilfe der Einheimischen rechnen, die fast überall sehr freundlich auf uns Radfahrer reagieren. Möchte man einen kleinen Zwischenstopp machen, sei es zum einkaufen oder um ein Bad im Meer zu nehmen, ist es kein Problem Fahrrad und Helm einfach abzustellen und unbeobachtet zurückzulassen. Diebstahl ist nicht verbreitet, da es im Prinzip wenig Armut in Thailand gibt und der Buddhismus stehlen strengstens verbietet. Die meisten Thailänder scheinen sich daran zu halten.

Das Schwimmen ist ein Traum: immer herrlich warme Temperaturen, kein frösteln vor, während und nach der Schwimmeinheit, die Duschen vor und nach dem Schwimmen direkt daneben.
Wir hatten eigentlich nie ein Problem eine freie 50m Bahn für uns alleine oder zu zweit zu finden. Es gibt Belegungspläne, da immer irgendwelche internationalen Schwimmteams dort ihr Trainingslager abhalten und dementsprechend alle Bahnen benötigen. Meistens ist deren Training früh morgens und am späten Nachmittag, so dass im Normalfall über Mittag für mehrere Stunden alle Bahnen frei sind. Das passt gut in den Trainingstag, der in der Regel wie folgt aussieht: morgens Radfahren, mittags Schwimmen und evtl. abends Laufen oder Krafttraining.

Laufen gestaltet sich schon schwieriger. Auf Grund der gleichbleibend hohen Temperaturen und der hohen Luftfeuchtigkeit ist die beste Zeit zu Laufen kurz nach Sonnenaufgang (ca. 6:30) oder am späten Nachmittag, wenn die Sonne tiefer steht und so etwas mehr Schatten fällt, bzw. nach Sonnenuntergang (ca. 18:30).
Im Dunkeln kann man problemlos auf der 500m Bahn geschützt laufen, ist nur etwas langweilig bei längeren Einheiten.
Um das Hotel herum gibt es ausreichend kleine Straßen, auf denen man gut laufen kann, man muss sich nur trauen. Es gibt massenhaft Hunde, die sich aber in den meisten Fällen nicht für Läufer interessieren. Nur sehr selten laufen ein paar kläffend kurz mit, bevor sie sich wieder gelangweilt abwenden. Wir sind öfter eine schöne 4km-Runde gelaufen und haben nach jeder Runde einen kleinen Trinkstopp gemacht, um auch genügend Flüssigkeit aufzunehmen. Auch beim Laufen gilt: unbedingt trinken, trinken, trinken.
Man kann die Laufrunden jedoch im Prinzip beliebig verlängern, Möglichkeiten gibt es genug.

Das Essen ist in Thailand generell eine wahre Freude. Fast immer haben wir ausgezeichnet gegessen, immer frisch mit viel Gemüse, lecker gewürzt und manchmal sehr scharf. Im Hotel hatten wir nur das Frühstück mitgebucht, das sehr vielfältig war, mit vielen Salaten, gebratenem Reis und Nudeln, aber auch das übliche Müsli, Eierspeisen, Brote, Früchte, etc. Ich habe mich immer sehr auf das reichhaltige Frühstück gefreut. Etwas enttäuschend im Land der Früchte waren die Fruchtsäfte. In allen Hotels, in denen wir uns aufgehalten haben, gab es nur eine Art Sirup Saft.
Da wir uns für die restlichen Tage einen Roller gemietet hatten, waren wir nicht auf das Abendessen im Hotel angewiesen. Man kann dort abends Buffet oder Á la Carte essen, was wir auch gelegentlich genutzt haben und immer sehr gut war, allerdings im Verhältnis recht teuer. Für Zwischendurch gibt es ein Deli, in dem man durchgehend kleinere Speisen oder auch Pizza und Sandwiches bekommen kann. Wir waren aber kulinarisch etwas abenteuerlustiger und wollten auch andere Essmöglichkeiten kennenlernen. In Thailand ist es scheinbar so, dass der eine Teil der Bevölkerung kocht und der andere Teil isst. Eigentlich wird immer und überall gekocht oder gegessen und das nur für ein paar Euros. An jeder Ecke gibt es Garküchen, mobil oder fest, an denen es köstliches Essen gibt. Wir habe uns allerdings wegen des Wassers, das bei der Zubereitung verwendet wird und der allgemeinen Hygiene, ehr an „Restaurants“ gehalten. Es ist schon manchmal abenteuerlich, wo überall das notwendige Wasser beschafft wird und mit welch einfachen Mitteln gekocht wird. Oft ein Wasserhahn am Straßenrand, für unsere europäischen Mägen dann vielleicht doch nicht unbedingt zu verkraften. Probleme mit Magen oder Darm hatten wir jedoch nie.

Fazit:
Training im Paradies ist es tatsächlich. Richtig lange Radeinheiten sind allerdings wegen des Verkehrs nicht überall angenehm. Und die Temperaturen bremsen das Lauftraining etwas aus. Längere Erholungsphasen sind notwendig, da der Körper wegen der hohen Temperaturen immer etwas mehr arbeiten muss.
Es war toll, Thailand und die dortigen Trainingsmöglichkeiten kennengelernt zu haben. Ein Traum von Landschaft, Meer, Stränden und wunderbar warmem Wetter. Durch die lange, beschwerliche An- und Abreise leider nicht ständig machbar.
Alles in allem eine tolle Reise und tolle Trainingstage, bestimmt kommen wir irgendwann wieder.

Hotel Thanyapura

Sportlich unterwegs